r/arbeitsleben • u/Poli-Bert • 10h ago
Studie/Umfrage Ich habe 300 Schriftsteller-Namen auf Visitenkarten verteilt (Frankfurter Buchmesse)
Für die Messe hatte ich Visitenkarten drucken lassen, vorne das Übliche, hinten aber eine URL mit 300 generierten Zugangscodes, jeder einem bekannten Schriftsteller zugeordnet. Die Idee war simpel: passend zum Thema Buchmesse versuche ich Gemeinsamkeiten zu finden über ein Lieblingsthema: Literatur.
Was ich nicht erwartet hatte: wie schwer mir manche Übergaben fielen. Wem gibt man Twain, ohne zu wissen dass der auch seinen Humor versteht? Bei Bukowski dachte ich mir ob der dann wohl beleidigt sein könnte. Shakespeare und Borges blieben im Hotel, nicht dass ich Borges aus versehen an jemanden ausrücke der dann fragt, wer das ist.
Shelley ging an eine junge Autorin von Horrorgeschichten, die mir half. Meine Tante, die Yourcenar wollte, bekam Melville, weil deren Mann Narzisst und Hobbyskipper ist. Ich sagte "für Captain Ahab", sie lachte. Erst hinterher merkte ich, dass es wahrscheinlich ein bitteres Lachen war, unglücklich, wenn ich sie über ihren Mann identifiziere. Sie hätte Patricia Highsmith verdient.
Meine Cousine, die nicht zufälligerweise Margarita heißt, und mir nicht zufälligerweise die Memoiren des Hadrian schenkte, bekam natürlich Yourcenar. Meine Tante zeigte Verständnis.
Mein Berater bekam Verne, für die Träume, die der mir als Kind eingeredet hat.
Ist es nicht manchmal zu schade Dinge wegzugeben in die man so viel von sich selbst investiert?