r/recht • u/calm_discussion24 • 3h ago
Schaffe den Sprung ins Berufsleben nicht
Es geht um den Berufseinstieg und den damit verbundenen Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln - das Ref hat mir wirklich jegliches Selbstbewusstsein geraubt. Ich hoffe auf ein wenig Austausch.
Mir graut es extrem vor dem bevorstehenden Berufseinstieg. Mein Hauptproblem ist, dass ich mir in der Praxis in fachlicher Hinsicht kaum etwas zutraue. Zu diesem Selbstbild hat ganz maßgeblich beigetragen, dass ich das 2. Examen erst im Zweitversuch mit einem "ausreichend" geschafft habe und phasenweise sehr demotivierende Ausbilder hatte. Ich habe außerdem keinen Schwerpunkt, der sich als roter Faden durch meinen Lebenslauf zieht und auf dem ich aufbauen könnte. Ich vergleiche mich ständig mit Kollegen, die es durch gute Noten und/oder Kontakten viel einfacher haben. Im Studium habe ich mich ziemlich über Noten definiert und da das 1. ein VB war (staatlich hohes b), habe ich mich nie mit dieser Notenfixiertheit befasst, obwohl ich genau wusste, wie problematisch das ist.
Ich kann eigentlich ganz gut mit Menschen, komme laut Aussagen sympathisch und zugänglich rüber und mag es, in Interaktion mit anderen zu bleiben. Aber innerlich zerfressen mich meine Ängste in Bezug auf meine fachlichen Leistungen. Beim Ausmisten meiner Lernunterlagen musste ich panisch feststellen, dass ich mit vielem gar nichts mehr anfangen kann, obwohl Studium/Ref nicht allzu lange her sind. Ich stelle mir regelmäßig die Frage, ob ich in den letzten Jahren zu wenig oder falsch gelernt und deshalb kein stabiles Fundament gesetzt habe. Ich kann ein bisschen von allem, aber nichts so richtig. Wie soll man so in der Praxis überleben? Obendrein kommen meine Unsicherheiten bezüglich der richtigen Berufswahl.
Da es mir unmittelbar nach dem Ref wirklich schlecht ging, habe ich mir bewusst eine mehrmonatige Pause gegönnt. Seit einem Monat versuche ich nun, mich fleißig zu bewerben. Doch es bleibt bei dem Versuch, weil mich meine innere Blockade so sehr hemmt, dass ich mit Ach und Krach mal 2 Bewerbungen pro Woche abschicke. So wird das bei dem aktuellen Arbeitsmarkt nie und nimmer was und meine Lücke nach dem Referendariat wird immer größer.
Ging es hier jemandem ähnlich? Wie seid ihr da rausgekommen? Wie habt ihr wieder gelernt, in euch und eure Fähigkeiten zu vertrauen? Wie seid ihr selbstbewusst in den neuen Job gestartet?